Licht hilft Jugendlichen mit Schlafproblemen

Während der Pubertät verschiebt sich der Tagesrhythmus häufig in Richtung späterer Einschlaf- und Aufwachzeiten. Dies kann auf das Leistungsvermögen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beeinträchtigen. Ingvild West Saxvig von der Universitätsklinik Haukeland hat dieses Phänomen untersucht.

Guter Schlaf ist wichtig für eine optimale Funktionsfähigkeit im Alltag. Jugendliche haben häufig ein verzögertes und unregelmäßiges Schlafmuster, was potenziell negative Auswirkungen auf ihre schulischen Leistungen und ihre Funktionsfähigkeit am Tag hat. In ihrer Dissertation hat Ingvild West Saxvig herausgefunden, dass 8,4 % der Jugendlichen an weiterführenden Schulen in Norwegen über Probleme berichteten, in mindestens drei Nächten pro Woche vor zwei Uhr morgens einzuschlafen; zusätzlich berichteten sie über große Schwierigkeiten, morgens rechtzeitig aufzuwachen.

Ingvild West Saxvig von der Universitätsklinik Haukeland
Ingvild West Saxvig von der Universitätsklinik
Haukeland

,,Ein verzögertes Schlafmuster bei Jugendlichen ist wahrscheinlich auf eine Kombination aus Biologie und Verhaltensweisen zurückzuführen“, berichtet sie. „Zu Beginn der Pubertät kann es zu einer Verschiebung der inneren biologischen Uhr nach hinten kommen, so dass Jugendliche später müde werden als früher. Zugleich bedeutet der Übergangsprozess vom Kind zum Erwachsenen in Kombination mit einem stärkeren Gebrauch von digitalen Geräten am Abend oft, dass man später ins Bett geht. Während es die meisten Jugendlichen dennoch schaffen, eine allzu starke Verschiebung des Schlafmusters zu verhindern, ist dies für einige völlig unmöglich.“ In extremen Fällen kann ein verzögertes Schlafmuster zu einem verzögerten Schlafphasensyndrom (DSPD) führen. DSPD bedeutet eine chronisch verzögerte Schlafphase, in der es einem nicht gelingt, zu einer sozial akzeptierten Zeit einzuschlafen oder aufzuwachen.

Wenn die Schlafphase verzögert ist, bekommen die Jugendlichen oft zu wenig Schlaf, weil sie dennoch früh aufstehen müssen, um in die Schule zu gehen. Schlafmangel macht uns müde und lustlos, zudem wird das Konzentrationsvermögen herabgesetzt. Wenn der Schlafmangel über einen längeren Zeitraum anhält, nimmt das Leistungsvermögen der Jugendlichen in der Schule ab. Die Jugendlichen gehen zu einem Zeitpunkt in die Schule, an dem sie müde sind, da ihre innere Uhr ihnen Schlaf signalisiert.

Schlechtere Noten, höherer Tabak- und Alkoholkonsum und Symptome von Angst und Depressionen

„Schlafmangel und ein verzögerter Tagesrhythmus können Konsequenzen für die schulische Leistung, die Motivation, das Verhalten und die mentale Gesundheit haben“, erklärt Saxvig. „In Zusammenhang mit diesem Befund haben wir in unserer Studie herausgefunden, dass ein verzögertes Schlafmuster mit schlechteren Noten, einem höheren Tabak- und Alkoholkonsum und verstärkten Symptomen von Angst und Depressionen verbunden war.“

Licht ist der wichtigste externe Faktor für die Regulierung des Tagesrhythmus

Durch vorbeugende Maßnahmen kann verhindert werden, dass Jugendliche ihren Tagesrhythmus zu sehr nach hinten verschieben. Das Wichtigste, das man tun kann, ist, auf ein regelmäßiges Schlafmuster zu achten. Für betroffene Jugendliche ist es besonders wichtig, jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit aufzustehen, auch an den Wochenenden. Indem man am Morgen aufsteht, setzt man sich dem Tageslicht aus. Licht ist der wichtigste externe Faktor für die Regulierung des Tagesrhythmus. Ein Kontakt mit dem Tageslicht früh am Morgen ermöglicht ein Vorschieben des Tagesrhythmus. Ein anderer Angriffspunkt ist eine Anpassung des gesellschaftlichen Rhythmus an den Rhythmus der Jugendlichen, beispielsweise indem die Schule morgens etwas später beginnt. Einige Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche an Schulen, die morgens später anfangen, mehr Schlaf bekommen, bessere Leistungen zeigen und weniger über Angst und Depressionen klagen.

Behandlung mit Licht

In einer anderen Studie arbeitete Ingvild West Saxvig mit einer Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener mit der DSPD-Diagnose, also dem verzögerten Schlafphasensyndrom. Die Teilnehmer erhielten eine Behandlung mit Licht von unterschiedlicher Stärke zusätzlich zu Melatonin, einem Tagesrhythmushormon. Im Rahmen der Lichtbehandlung wurden die Teilnehmer jeden Morgen für 30 bis 45 Minuten vor eine Leuchte gesetzt. Nach einer zweiwöchigen Behandlung hatte sich die Schlafzeit bei den Patienten nach vorne verschoben, doch als die Behandlung danach beendet wurde, fielen die meisten wieder in ein verzögertes Schlafmuster zurück. Einige Patienten setzten dennoch die Behandlung mit Licht (10.000 Lux) und Melatonin über drei Monate fort. Diesen Patienten gelang es, eine nach vorn verschobene Schlafphase langfristig (drei Monate) aufrechtzuerhalten. Anscheinend ist die Behandlung mit Licht und/oder Melatonin für Patienten mit DSPS also von großem Nutzen.

Biologische Rhythmen unterstützen

Biologische Rhythmen, die mit dem 24-stündigen Licht-Dunkelheit-Zyklus übereinstimmen, werden Tagesrhythmen genannt. Diese sind beim Schlaf-Wach-Rhythmus, der Hormonausschüttung, der Urinproduktion, Temperaturregulierung usw. zu erkennen. Diese Rhythmen werden in einer bestimmten Hirnregion synchronisiert, dem suprachiasmatischen Nucleaus (SCN). Der SCN ist so etwas wie unsere innere Uhr. Diese Uhr wird in erster Linie vom Licht auf der Netzhaut der Augen (durch direkte Nervenbahnen) beeinflusst. Licht auf der Netzhaut hat verschiedene Auswirkungen, abhängig vom Zeitpunkt der Einwirkung. Dies erklärt, wie es unser Körper schafft, sich nach einigen Tagen auf eine andere Zeitzone einzustellen, zum Beispiel bei einer Reise in die USA.

„Normalerweise sorgt Licht zum richtigen Zeitpunkt am Morgen dafür, dass der Tagesrhythmus vorverlegt wird, während Licht am Abend den gegensätzlichen Effekt hat“, berichtet Saxvig. „Jugendliche mit DSPD haben einen verzögerten Tagesrhythmus und sollten sich daher am Morgen Licht aussetzen – aber nicht zu früh, weil man damit einen entgegengesetzten Effekt erzielen kann. Um sich dagegen abzusichern, Licht zu früh zu verabreichen, sollte man am Anfang der Behandlung Licht zu einem spontanen/natürlichen Zeitpunkt verabreichen und dann den Aufwachzeitpunkt schrittweise um 30 bis 60 Minuten verschieben.“ Die Resultate von Saxvigs Dissertation sind in die klinische Praxis übertragbar und können dazu führen, dass mehr Patienten mit einem verzögerten Schlafphasensyndrom eine geeignete Behandlung erhalten. Zusätzlich kann die Lichtbehandlung vorbeugend eingesetzt werden.

Ingvild West Saxvig
Ingvild West Saxvig ist eine ausgebildete Physiologin. 2013 legte sie ihre Dissertation Delayed sleep phase disorder. Prevalence, sleep, circadian rhythm and treatment vor. Saxvig arbeitet als Beraterin am norwegischen Kompetenzdienst für Schlafkrankheiten und als Wissenschaftlerin am Zentrum für Schlafmedizin der Universitätsklinik Haukeland in Bergen.

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