Lichtdesign in der Praxis: Die hohe Kunst der Bühnenbeleuchtung

Dass Lichtdesign eine Kunstform ist, erkennt man spätestens bei der Ausleuchtung eines Balletts oder einer Oper, denn diese hat viel mehr mit Kreativität als mit Berechnungen und grauer Theorie zu tun. Patentrezepte gibt es hierfür keine, trotzdem sollten ein paar Grundsätze beachtet werden.

Bühnenbeleuchtung schafft Stimmung

Die grundlegendste Aufgabe der Bühnenbeleuchtung ist es natürlich, für eine gute Sicht auf das Geschehen zu sorgen. Jedes Lichtdesign ist uneffektiv, wenn das Publikum die Schauspieler nicht erkennen kann, es sei denn, es ist so beabsichtigt. Lichtdesign in einer Oper sollte aber auch ein atmosphärisches Umfeld schaffen und den Stil einer Inszenierung unterstützen. Licht dient außerdem dazu, die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf einen bestimmten Bereich der Bühne zu lenken und/oder von einem anderen abzulenken. Ort und Tageszeit werden verdeutlicht und der Grundton einer Szene definiert. Auch die Wahrnehmung von Formen kann beeinflusst werden, insbesondere die von dreidimensionalen Elementen.

Die Planung einer Aufführung erfordert eine einge Zusammenarbeit zwischen Lichtdesigner, Choreograph und Bühnenbildner. Der Choreograph stößt diesen Prozess an, indem er die gewünschte Stimmung beschreibt. Es ist keineswegs ein ehernes Gesetz, dass immer die Darsteller im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen müssen. Manchmal kommt es mehr darauf an, eine bestimmte Stimmung zu vermitteln. Unterschiedliche Stimmungen lassen sich auf unterschiedliche Weise schaffen. Auf der Hand liegt der Gebrauch von Farben, aber auch Menge und Richtung des Lichts spielen eine wesentliche Rolle.

Klassische und zeitgenössische Lichteinstellungen

Zwischen der Ausleuchtung eines klassischen und eines zeitgenössischen Balletts gibt es einen Unterschied. Während das klassische Ballett sehr viel Licht benötigt um die Tänzer und ihre Bewegungen hervorzuheben, sind zeitgenössische Produktionen offener für Variationen. Neben der Grundausleuchtung kann zeitgenössische Bühnenbeleuchtung auch Spezialeffekte wie Laser und Nebelmaschinen einbeziehen.

Grundlagen einer professionellen Bühnenbeleuchtung

Das Publikum kann von den Sitzreihen aus die Scheinwerfer und Strahler erkennen, die häufig von deckenmontierten Auslegern getragen werden. Sie dienen dazu, Licht von vorne bereit zu stellen. Im Hintergrund und an den Seiten sind ebenfalls zahlreiche Leuchten montiert – sie sind für den Zuschauer unsichtbar. Die Kombinationen verschiedener Lichtrichtungen ermöglicht es dem kreativen Team, das Publikum die Dinge sehen und erleben zu lassen, die für das Stück relevant sind. Für eine bessere Tiefenwirkung wird das Licht von hinten verstärkt. Um eine intensivere Farbauflösung und schärfere Schatten zu bekommen, wird die Beleuchtung von den Seiten erhöht. Soll die Aufmerksamkeit stärker auf die Gesichter der Darsteller gelenkt werden, wird häufig mit Lichtleisten im Boden gearbeitet.

Eine gute Bühnenbeleuchtung ist extrem wichtig für die visuelle Kommunikation. Das Lichtdesign für eine Oper oder ein Ballett ist ein interaktiver Prozess mit vielen Versuchen und Irrtümern. Verschiedene Beleuchtungsszenarien werden getestet und diskutiert. Nach Abschluss der Planungsphase ist das gesamte Bühnenlicht samt Einsatz- und Kontrollpunkten programmiert und automatisiert. Während einer Aufführung sind sechs oder sieben Lichttechniker beschäftigt. Und auch wenn der größte Teil der Beleuchtung im Voraus programmiert ist, kommt hier und da noch immer der traditionelle Trackspot zum Einsatz.

Herausforderung für den Lichtdesigner

Oper und Ballett transportieren große Gefühle und auch die Bühnenbeleuchtung ist weit von einer exakten Wissenschaft entfernt. Emotionen spielen eine wichtige Rolle, vor allem je näher die Premiere rückt. Für den Erfolg des Projekts muss der Lichtdesigner in den letzten Phasen der Vorbereitung daher oft auch Diplomat und Psychologe sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.